Häufige Fragen
Eine Religionsgemeinschaft verdient Vertrauen nicht dadurch, dass sie schwierige Fragen vermeidet. Deshalb beantworten wir hier offen, was Interessierte und mögliche Mitglieder wissen sollten.
Du musst weder Mitglied sein noch bereits an Mithras glauben, um Fragen zu stellen. Im Gegenteil: Wir halten es für sinnvoll, die Lehre, die Gemeinschaft und ihre Regeln zuerst zu prüfen.
Eine religiöse Entscheidung sollte informiert, freiwillig und ohne sozialen Druck getroffen werden.
Über Mithras und den Glauben
Was ist das Mithras Religion Project?
Das Mithras Religion Project ist eine moderne Religionsgemeinschaft und zugleich ein Projekt zur Förderung mithräischer Spiritualität. Es orientiert sich an historischen Mithras-Traditionen, entwickelt daraus aber eine Religion für die Gegenwart.
Dabei spielen insbesondere Vertragstreue, Freundschaft, Wahrheit, Erkenntnis, Licht und persönliche Verantwortung eine zentrale Rolle.
Ist das eine Rekonstruktion des römischen Mithraskultes?
Nein, nicht im Sinne einer vollständigen historischen Rekonstruktion. Über den antiken Mithraskult ist vieles bekannt, aber zahlreiche Fragen zu Ritualen, Theologie und Alltag sind bis heute offen.
Das Projekt unterscheidet deshalb zwischen historischen Quellen, wissenschaftlichen Deutungen und moderner mithräischer Glaubenspraxis.
Woran glauben Mithras-Anhänger?
Die veröffentlichte Weisheitslehre beschreibt Mithra unter anderem als Gott des Lichts, der Erkenntnis, der Wahrheit, des Vertrages und der Liebe.
Besondere Bedeutung besitzen Freundschaft, die Einhaltung des eigenen Wortes, die Dexiosis – der verbindliche Handschlag – sowie die sieben Weihestufen.
Muss ich alles wörtlich glauben?
Ein religiöser Weg sollte nicht mit gedankenloser Zustimmung beginnen. Interessierte sollten historische Aussagen, symbolische Deutungen und Glaubensaussagen unterscheiden und sich selbst ein Urteil bilden.
Fragen und Zweifel sollten dabei nicht als Störung, sondern als Teil ernsthafter Beschäftigung verstanden werden.
Was bedeutet Dexiosis?
Dexiosis bezeichnet den Handschlag als Zeichen eines Bundes. Im modernen mithräischen Verständnis steht er dafür, dass ein gegebenes Wort Gewicht besitzt.
Ein Versprechen soll deshalb nicht leichtfertig gegeben werden. Wer eine Verpflichtung übernimmt, soll sich ernsthaft darum bemühen, sie einzuhalten.
Andere Religionen und Weltanschauungen
Muss ich meine bisherige Religion verlassen?
Grundsätzlich nein. Das Mithras Religion Project versteht sich als synkretistische und polytheistische Religion.
Die Mitgliedschaftsseite erklärt ausdrücklich, dass ein Mensch auch Mitglied seiner bisherigen Religion oder Konfession bleiben kann, sofern dadurch für ihn persönlich kein innerer Konflikt entsteht.
Können Christen, Juden, Muslime, Hindus oder Atheisten teilnehmen?
Die mithräische Weisheitslehre betont den Respekt gegenüber anderen Weltanschauungen. Ob eine gleichzeitige Mitgliedschaft mit den Regeln einer anderen Religionsgemeinschaft vereinbar ist, muss der einzelne Mensch allerdings auch mit seiner jeweiligen Gemeinschaft und seinem eigenen Gewissen prüfen.
Behauptet die Mithras-Religion, die einzig wahre Religion zu sein?
Der derzeit veröffentlichte Ansatz ist synkretistisch. Das bedeutet, dass religiöse Wahrheit nicht zwingend auf eine einzige Tradition beschränkt verstanden wird.
Andere Glaubenswege sollen deshalb respektiert werden.
Mitgliedschaft
Wer kann Mitglied werden?
Nach der veröffentlichten Satzung können Frauen, Männer, diverse Personen und Kinder Mitglied werden.
Die Aufnahme erfolgt auf schriftlichen Antrag. Über die Aufnahme entscheidet nach der Satzung die einfache Mehrheit der sogenannten decem primi. Ein Rechtsanspruch auf Aufnahme besteht nicht.
Kann ich die Gemeinschaft erst kennenlernen?
Das ist ausdrücklich sinnvoll. Die Mitgliedschaftsseite empfiehlt, vor einem Beitritt zunächst Satzung, Weisheitslehre und weitere Grundlagen zu lesen.
Eine Mitgliedschaft sollte erst dann erfolgen, wenn Ziele, Regeln und Verpflichtungen verstanden wurden.
Gibt es unterschiedliche Formen der Mitgliedschaft?
Ja. Die Satzung unterscheidet zwischen regulärer Mitgliedschaft und Fördermitgliedschaft.
Fördermitglieder können Teil der Religionsgemeinschaft sein, haben nach der derzeitigen Satzung jedoch kein Teilnahme- oder Stimmrecht in der Mitgliederversammlung. Für die Weihestufen ist eine reguläre Mitgliedschaft erforderlich.
Welche Pflichten haben Mitglieder?
Die Satzung nennt mehrere Pflichten. Dazu gehören unter anderem: die Beachtung der Satzung, die Förderung der Religionsgemeinschaft, die Umsetzung der moralischen Grundsätze, Mitarbeit an Veranstaltungen und Publikationen sowie eine rege Teilnahme am Gemeindeleben.
Die Satzung erwartet zudem, dass reguläre Mitglieder sich in die Weihestufen aufnehmen lassen.
Kann ich wieder austreten?
Ja. Die derzeitige Satzung sieht ausdrücklich vor, dass die Mitgliedschaft durch schriftlich mitgeteilten Austritt endet.
Daneben nennt sie weitere Möglichkeiten, wie eine Mitgliedschaft beendet werden kann, beispielsweise durch bestimmte Beschlüsse oder ein Schiedsverfahren.
Beiträge, Spenden und Gebühren
Kostet die Mitgliedschaft Geld?
Ja. Die Satzung sieht Mitgliedsbeiträge vor. Die konkrete Höhe wird von der Mitgliederversammlung festgesetzt.
Kosten die Weihestufen zusätzlich?
Nach der derzeit veröffentlichten Satzung werden auch Aufnahmegebühren pro Weihestufe festgesetzt. Diese sollen für alle Mitglieder gleich sein.
Was passiert, wenn ich meinen Beitrag nicht bezahlen kann?
Die Satzung sieht vor, dass der Vorstand über Aufschub entscheiden kann, wenn eine Zahlung nicht erfolgen kann.
Wer betroffen ist, sollte deshalb frühzeitig das Gespräch mit dem Vorstand suchen.
Muss ich regelmäßig spenden?
Die Weisheitslehre nennt regelmäßige Spenden als Teil der Pflichten eines Jüngers beziehungsweise einer Jüngerin.
Wie dies praktisch umgesetzt wird, sollte vor einer Mitgliedschaft offen geklärt werden, damit keine finanziellen Erwartungen missverstanden werden.
Die sieben Weihestufen
Welche sieben Weihestufen gibt es?
Die sieben Grade heißen: Corax, Nymphus, Miles, Leo, Perses, Heliodromus und Pater.
Sie greifen die überlieferte siebenstufige Struktur des römischen Mithraskultes auf und werden im heutigen Projekt als religiöser Entwicklungsweg verstanden.
Muss jedes Mitglied alle sieben Grade erreichen?
Die Satzung erwartet bei regulären Mitgliedern die Teilnahme an den Weihestufen. Sie sagt jedoch nicht, dass jeder Mensch innerhalb einer bestimmten Zeit alle sieben Grade erreichen muss.
Die konkrete Praxis sollte deshalb transparent mit der Gemeinschaft geklärt werden.
Sind höhere Grade bessere Menschen?
Nein. Ein Grad sollte nicht den Wert eines Menschen bestimmen.
Sinnvoll verstanden bedeutet ein höherer Grad vor allem mehr Wissen, mehr Erfahrung und größere Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft.
Sind die Rituale geheim?
Der historische Mithraskult war eine Mysterienreligion. Für eine moderne Gemeinschaft ist jedoch wichtig, zwischen spiritueller Ritualerfahrung und organisatorischer Geheimhaltung zu unterscheiden.
Regeln, finanzielle Verpflichtungen, Mitgliedsrechte und Leitungsstrukturen sollten öffentlich nachvollziehbar sein.
Leitung, Entscheidungen und Kritik
Wer leitet die Gemeinschaft?
Die Satzung sieht einen Vorstand sowie ein zehnköpfiges Gremium, die sogenannten decem primi, vor.
Zu den Vorstandsämtern gehören unter anderem der pater patrum, der pater patratus, der pater sacrorum und der pater nomimus.
Hat die Mitgliederversammlung etwas zu entscheiden?
Ja. Nach der Satzung entscheidet die Mitgliederversammlung mit einfacher Mehrheit über Vereinsangelegenheiten und insbesondere über die Verwendung des Vermögens, soweit keine besonderen Regeln gelten.
Sie findet mindestens einmal im Kalenderjahr statt und kann auch online oder hybrid durchgeführt werden.
Muss ich dem Vorstand gehorchen?
Die derzeitige Satzung verpflichtet Mitglieder zur Einhaltung der Anordnungen des Vorstandes sowie rechtskräftiger Beschlüsse der Mitgliederversammlung.
Gerade deshalb ist es wichtig, vor dem Beitritt zu verstehen, wie Entscheidungen getroffen werden, welche Grenzen solche Anordnungen haben und wie Konflikte oder Einwände behandelt werden.
Darf ich Kritik äußern?
Eine moderne Religionsgemeinschaft sollte Kritik nicht mit Illoyalität verwechseln. Fragen zu Lehre, Entscheidungen, Finanzen oder Leitung sollten sachlich gestellt werden können.
Die veröffentlichte Satzung enthält ein internes Schiedsrecht für Vereinsangelegenheiten. Wie dieses Verfahren praktisch ausgestaltet ist, sollte Mitgliedern verständlich erklärt werden.
Kinder und Familien
Können Kinder Mitglied werden?
Ja. Die derzeitige Satzung nennt ausdrücklich auch Kinder als mögliche Mitglieder.
Für Minderjährige sollten religiöse Teilnahme, Rituale, Datenschutz, Einwilligung der Erziehungsberechtigten und altersgerechte Inhalte besonders klar geregelt werden.
Müssen Kinder an Weihestufen teilnehmen?
Die öffentlich zugängliche Satzung enthält hierzu keine detaillierte altersbezogene Regelung. Deshalb sollte diese Frage vor einer Mitgliedschaft mit der Gemeinschaft ausdrücklich geklärt werden.
Fragen, die man stellen darf
Ist das eine Sekte?
Der Begriff „Sekte“ wird sehr unterschiedlich verwendet und ist häufig eher ein Werturteil als eine präzise Beschreibung.
Sinnvoller ist es, konkrete Merkmale zu prüfen: Kann man Fragen stellen? Sind finanzielle Verpflichtungen transparent? Kann man austreten? Ist Kritik möglich? Wer kontrolliert die Leitung? Werden Mitglieder sozial unter Druck gesetzt?
An diesen konkreten Fragen sollte sich auch das Mithras Religion Project messen lassen.
Gibt es einen Personenkult?
Die religiöse Verehrung richtet sich auf Mithras und die mithräische Lehre, nicht auf eine lebende Führungsperson.
Gerade eine junge Religionsgemeinschaft sollte darauf achten, dass Ämter, Titel und religiöse Autorität nicht mit persönlicher Unfehlbarkeit verwechselt werden.
Was passiert, wenn ich später nicht mehr glaube?
Religiöse Überzeugungen können sich verändern. Nach der Satzung ist ein schriftlicher Austritt möglich.
Ein ehemaliges Mitglied sollte seine Entscheidung ohne Drohungen, Beschämung oder sozialen Druck treffen können.
Warum sollte ich überhaupt Mitglied werden?
Darauf sollte es keine vorgefertigte Antwort geben.
Eine Mitgliedschaft kann sinnvoll sein, wenn du dich mit der mithräischen Lehre identifizierst, Gemeinschaft suchst, an ihrer Entwicklung mitarbeiten möchtest und bereit bist, die damit verbundenen Rechte und Pflichten zu übernehmen.
Wenn das nicht auf dich zutrifft, ist es völlig legitim, Mithras lediglich historisch, philosophisch oder spirituell interessant zu finden.
Eine Frage ist noch offen?
Dann stelle sie. Eine Gemeinschaft, die Vertrauen erwartet, sollte auch bereit sein, Fragen zu beantworten.